Vienna Autoshow 2012 - Wo ist die mobile Zukunft?

12.1. - 15.1.2012 Vienna Autoshow 2012. Die groß angekündigte Automesse, 40 Hersteller zeigen über 400 Neuigkeiten. Das wollte ich mir ansehen - was daraus wurde könnt Ihr hier nachlesen … 

Am 14.1.2011 starteten wir um 8 Uhr früh Richtung Vienna-Autoshow 2012. Über Nacht hatte es das erste Mal hier im Osten Österreichs geschneit und somit der erste Schnee und winterliche Straßenverhältnisse für meinen Stromer. Alles kein Problem – Fahrweise an die Verhältnisse angepasst und schon kann es losgehen.

Die Zufahrt zum Messegelände war etwas "gestaut", aber der Zeitverlust hielt sich in Grenzen. Dabei hatten einige Besucher die Gelegenheit uns bei der Zufahrt zum Parkhaus D zu fotografieren bzw. zu filmen. Mal sehen wo das auf Facebook und/oder Youtube wieder auftaucht Zwinkernd.

Im Parkhaus D gibt es auf der 1. Ebene Elektrotanksäulen der Wien-Energie.



Bei der Einfahrt wurde die 1. Ebene bereits als voll ausgewiesen. Das Risiko lohnte sich, denn entgegen der Erwartung, dass die E-Parkplätze von konventionellen Fahrern verparkt wurden, waren diese noch frei.



Also kurzerhand in guter Gesellschaft (I-Miev) eingeparkt



und mit 230V/16A angesteckt. Die Ladesäule ließ sich problemlos aktivieren, die Wien-Energie-Tankkarte hatte ich zwar mit, wurde aber nicht benötigt.

Wie schon den Stau bei der Zufahrt, gab es diesen auch beim Eingang der Halle D. Vorteil, wenn man am Vortag Online-Tickets bestellt, man muss sich nicht anstellen. Also nichts wie rein und als erstes bekamen wir von netten, adretten BP-Damen (British Petrol) gleich mal einen Gewinnkupon für ein Jahr Gratistanken überreicht. Wie nett! Der Warteschlange zu urteilen, gab es genügend Besucher, die das dringend brauchen konnten. Bei den Benzin und Dieselpreisen kein Wunder. Anstellen? Nein danke. Ein Jahr Benzin/Diesel Gratistanken? Nein danke. Ein Jahr die Umwelt mit BP-Produkten verschmutzen? Nein danke! Also weg damit!

Schade, dass die Leute nicht bemerkt haben, wie sich BP über Taschen, Schlüsselanhänger, Gewinnkarten und Co hinten herum in ihr Geldbörserl schleicht und mit vordergründig nützlichen Dingen – ohne die man übrigens auch gut leben kann – darüber hinwegtäuscht, dass sie gleichzeitig deren und unseren Lebensraum weiter mit der Förderung von fossilen Energieträgern langsam zugrunde richten.

Gleich als erstes schlendern wir durch den Stand von VW. Von Polo bis Passat über einen 2003er Käfer finden wir lauter teils wirklich schöne Fahrzeuge. Aber nichts wirklich Neues. Ein Blick auf die meisten Aufsteller mit den Leistungsdaten und Preisen, lässt es dem vernünftigen Verbrauche eiskalt über den Rücken laufen. Dann der Lichtblick

der Elektro-Golf. Wie auch die anderen Fahrzeuge von VW ein hübsches Fahrzeug (je nach individuellem Geschmack). Keine besonderen Äußerlichkeiten, aber ein sauberes Herz. Ein Blick auf den Aufsteller gibt uns ein paar Rahmenwerte: Li-Ion-Batterie mit 26,5 kWh, 115 PS, 270 Nm Drehmoment, max. Geschwindigkeit 135 km/h und 150 km Reichweite. Die Nachfrage nach weiteren Informationen beim örtlichen VW-Mitarbeiter ergab „Des is elektrisch, des is no nix!“ – lässt darauf schließen, dass VW es nicht so ernst nimmt, oder seine Leute nicht ordentlich instruiert hat. Wie auch immer – Preisauskunft gab es keine und auch Erscheinungstermin steht wohl in den Sternen.

Bugatti, Lambo & Co sind zwar nett anzusehen, aber solange es diese in E-Version nicht gibt nur was für Ewiggestrige. Also an diversesten fossilen Komplexkompensationsmitteln vorbei sehen wir schon von weitem einen Stromstecker von der Decke hängen – Stand von Volvo mit ihrem C30.

Leider werden wir auch hier wieder mit mangelnder Information konfrontiert. Die Nachfrage einer interessierten Besucherin nach der Praxistauglichkeit wurde mit „sehr eingeschränkt praxistauglich“ quittiert. Das konnte ich so nicht stehen lassen! Auf die Frage was hier „eingeschränkt“ sei, schließlich haben die wenigsten Österreicher einen täglichen Aktionsradius von über 100 Kilometern, bekam ich die Antwort „Na, auf Urlaub können’s damit nicht fahren!“. Auch diesen Stand mussten wir mit einem fahlen Beigeschmack verlassen. Gibt es tatsächlich Käufer, die ein Auto kaufen nur um damit hauptsächlich in Urlaub zu fahren? Übrigens Preis und Erscheinungstermin auch bei Volvo in den Sternen.

Kurios fand ich die Unmenge an Hybrid-Fahrzeugen. Es ist mir unverständlich wie man mit derartig viel komplexer Technik und Systematik etwas so einfaches wie Bewegung erzeugen muss!? Keep it simple! Wozu so viel Technik in ein Auto packen und dann mit komplizierter Steuerung die unterschiedlichen Dinge zwangsverheiraten … nur um dann doch wieder über 6 Liter Durchschnittsverbrauch zu erreichen? Hier der Beweis von KIA:

Rein rational betrachtet ist diese Technik absolut entbehrlich. Die Forschungs- und Entwicklungsgelder gleich in die richtige Zukunftstechnik Elektromobilität gesteckt, wären besser angelegt gewesen. Damit Werbung zu machen und es den Leuten als „sauber“ zu verkaufen, grenzt bereits an Fahrlässigkeit. Wie auch diese Kuriosität:

103g CO2 – auf den Kilometer wohlgemerkt. Das sind 10 kg auf 100 km !! Bei einem Durchschnitts-Österreicher mit rund 15.000 km/Jahr sind das 15 Tonnen CO2. Hallo? Was soll das grüne Blatt auf der Kiste? Grün ist da was anderes – aber auf dem KIA-Stand suchte man nach CO2-neutralen Mobilen vergeblich.

Ein sehr ansprechendes „grünes“ Stück in Rot hatten die Spanier ausgestellt. Das IBL-Conept von Seat sieht wirklich gut aus.

Aber sogar am Aufsteller konnte man über die Leistungsdaten nur rätseln. Ein weiteres ConceptCar – Infos dazu, Fehlanzeige.

Das Prestige-Concept von Audi darf natürlich nicht fehlen – der E-Tron. Tolle Leistungsdaten

mit 2.650 Nm Drehmoment schaffen sie es von 0 auf 100 in 5,9 Sekunden. Mein Tesla Roadster mit nur 400 Nm Drehmoment hat die 100 in knapp unter 4 Sekunden. Technische Meisterleistung der Audi-Ingenieure mit dem 6fachen an Drehmoment sind sie nur 50% langsamer (Sarkasmus) oder doch ein Druckfehler? Über die Absichten von Audi in Sachen Elektromobilität, war nichts in Erfahrung zu bringen. Bei den konventionellen verfolgt man offenbar weiter den Weg „schneller, stärker, größer“ – eine Sackgasse!

Bei Ford hoffte ich auf den E-Focus zu treffen. Fehlanzeige. Dafür hatten sie einen Transporter MVC-Motors samt Ladestation.

Mir die Mühe zu machen einen Ford-Mitarbeiter über technische Details zum Transporter auszufragen wurde durch Renault verhindert, als ich deren Stand gleich daneben entdeckte. Der einzige Hersteller, der seine E-Fahrzeuge nicht irgendwo an den Rand oder in eine Ecke stellte. Und sie wurden auch noch lautstark angekündigt und beworben.

Das eigenwillige Design des Renault Twizy kannte ich schon. Nachdem ich ihn nun in Natura sehen und probesitzen konnte gefällt mir das Ding immer mehr.

Zwei Varianten - 45 km/h führerscheinfrei und 80 km/h auch für Autobahnfahrten geeignet, zeichnen sich durch „reduce to the max“ aus. Alles was man in der Stadt braucht. Ein kleiner Flitzer – braucht wenig Platz, wendig, super Preis knapp EUR 7.000,- und bietet auch für einen Mitfahrer Platz. Etwas ungläubig beobachtet vom übrigen Publikum wagten wir den Praxisversuch und … es geht. Der zweite Platz hinter dem Fahrer kann problemlos besetzt werden. Längere Fahrten werden aber wohl auf die Dauer für den Mitfahrer nicht so angenehm sein. Aber es ist ja ein Stadtfahrzeug und sind somit längere Fahrten wohl eher selten.

Ganz anders der Renault Fluence.

Eine geräumige Familienkutsche mit knapp 200 km Reichweite zu einem annehmbaren Preis von knapp EUR 25.000,-. Das Risiko, den noch etwas teuren Akku abtauschen zu müssen kann man mit der monatlichen Miete umgehen. Zwei weitere Fahrzeuge kommen 2012 noch dazu – ein E-Version des Kangoo und ein Kleinwagen namens Zoe (E-Version des Clio). Renault ist hier eindeutig den übrigen Herstellern voraus. Den Zoe gibt es ab September und ist mein persönlicher Favorit, unseren konventionellen Zweitwagen abzulösen.

Ein Stückchen weiter entdecken wir den altbekannten Citroen C-Zero

der neben der Flut an konventionellen Citroen-Versionen beinahe untergeht und den Peugeot Ion (baugleich mit dem C-Zero).

Beide kann man nicht mehr nur leasen sondern seit kurzem auch bereits kaufen – der Preis liegt bei knapp EUR 29.000,-. Etwas teuer noch in der Anschaffung, aber würde sich bereits jetzt schon bei einer Nutzungsdauer von 8-10 Jahren insgesamt rechnen. Sprit wird nicht mehr billiger und „grüner“ schon gar nicht, auch wenn uns Öl- und Autokonzerne das glauben machen wollen. Ist daher eine gute Investition in die Zukunft.

Peugeot hat auch Elektrofahrräder und –Roller im Angebot

Perfekt für die Stadt bzw. kurze Strecken. Die Beschleunigung dieser kleinen Krafträder macht übrigens genauso viel Spaß, wie bei den großen Vierrädern.

Dann entdecken wir noch den E-Smart

Leider ohne technische Details und Preisangabe, soll aber angeblich noch dieses Jahr auf den Markt kommen. Von Smart gab es auch ein E-Bike und –Roller zu sehen

Auch am Nissan Leaf kommen wir vorbei, der reges Besucherinteresse weckt. Hätten gerne probegesessen, aber das wollten wir dann doch nicht abwarten.

Am Aufsteller findet sich keine Reichweitenangabe – dafür leider ein viel zu hoher Preis. Das außergewöhnliche Design des Leaf und die Chance umweltschonend und geräuscharm durch die Gegend zu flitzen, wird seine Käufer finden

Bleibt nur noch der vermeintlich brandgefährliche Ampera – auf dem riesen Stand von Opel nicht einfach auszumachen. Rundherum die konventionellen Modelle, alle schön beschildert und übersichtlich im Kreis aufgestellt. Nur der Ampera versteckt sich hinter einer Abtrennung – eigenartige Präsentation für ein Produkt, welches verkauft werden möchte.

Den baugleichen Chevrolet Volt findet man dann auch noch ein paar Schritte weiter.

Bei diesen beiden stellt sich mir wiederum die Frage, wozu man so viel Technik in ein Auto steckt, dessen Aufgabe es ist ein paar Kilo menschliche Zellansammlung durch die Gegend zu kutschieren. Die Erklärung des Opel-Mitarbeiters für das interessierte Publikum zur Funktionsweise des Ampera ist verständlich und plausibel. Für knapp EUR 42.000,- würde ich mich aber über den Tisch gezogen fühlen. Zwei Antriebstechnologien in einem Auto vereint - die eine wartungsarm, CO2-neutral, absichtlich unterdimensioniert, die andere säuft bei Fahrten über 50 km knapp 6,5 Liter, benötigt wartungsintensive Motoren-, Getriebeteile, Abgasanlage und Katalysator, etc.. Das Fahrzeug hat noch Einsparungspotential – sämtliche konventionellen Teile raus und das entfallende Gewicht durch Akkus ersetzen, schon käme man voraussichtlich über 200 km weit und das CO2-neutral und ohne Folge- und Wartungskosten für den fossilen Antrieb.

Kurios wurde es dann noch am BMW-Stand. Einerseits durch die erdrückende Abwesenheit eines Zukunftskonzeptes (weder ein I3 noch ein I8) und die immer größer werdenden BMW-Fahrzeuge, andererseits durch den etwas verstörenden Slogan:

Das Paradoxon Luxus zu Ökonomie muss mir mal jemand in diesem Spruch auflösen. Luxus kann per Definition nicht wirtschaftlich sein, sonst wär’s kein Luxus. Oder handelt es sich um einen Druckfehler und sollte eigentlich lauten „Luxus wird ökologisch“ – leider war aber kein E-3er, E-5er oder sogar E-7er zu sehen. Schade – auch bei BMW Themenverfehlung. Und wieso wird wiederum mit Tonnen/Jahr CO2-Ausstoß grüne Werbung gemacht? Hat schon mal jemand darüber nachgedacht was 119g sind? Beim Billa bestellt jeder ohne nachzudenken 10 dag Extrawurscht - ja, genau, das ist beinahe die gleiche Menge. Also bei jeder Fahrt zum nächsten Billa haut man pro gefahrenen Kilometer 10 dag Wurst raus! 5 Kilometer zum nächsten Billa -> halber Kilo CO2 !

Fazit:

Eine Selbstbeweihräucherungsaktion der meisten Hersteller im großen Stil, aber was sonst auf einer Messe.
Immer noch ist größer (man könnte meinen wir sollen künftig darin wohnen) und schneller, mit viel entbehrlichem Schnick-Schnack die Devise und soll über die Ideen- und Innovationslosigkeit der großen Hersteller hinweg täuschen. Ein 100 Jahre altes Antriebskonzept in beinahe unveränderter Form zieht uns immer noch das sauer verdiente Geld aus der Tasche und beliefert uns mit Unmengen an Abgasen.
Keine echten Neuigkeiten bei den konventionellen Fahrzeugen, Werksangaben von 5-6 Liter haben wir schon vor Jahren gesehen, sie werden jetzt nur hinter schönen grünen Blättern mit grammweiser CO2-Angabe und komplizierter Technik wie Hybrid versteckt.
Alternativen werden nur in aufgemotzten Studien präsentiert – nichts für den am Leben und der Zukunft interessierten Besucher.
Schade, dass die Hersteller echter Alternativen nicht vor Ort waren – Tazzari, Sam, Mia-Electric, Tesla-Motors, etc. – bei dem Quadratmeter-Verbrauch mancher Hersteller (analog zum Verbrauch derer Fahrzeuge), liegen die Gründe offen auf der Hand. Vermutlich ist Wien als Standort auch zu klein dafür.

Aber!

Einer hat meiner Meinung nach die Nase vorne! Das Interesse der Leute und die Präsentation von Renault waren sehr gut und zeigt, dass es auch anders geht. 2011 wurden in Österreich über 600 Elektrofahrzeuge zugelassen – 6-mal mehr als ein Jahr zuvor. Das und das Engagement von Renault stimmen mich zuversichtlich für das Jahr 2012.

Freue mich auf die Autoshow 2013 – vielleicht ist da dann schon etwas offensichtlicher der einzig richtige und mögliche Weg in die saubere Zukunft erkennbar. Es nimmt bereits Formen an!

Mehr Fotos von der Vienna Autoshow 2012 gibt’s hier https://picasaweb.google.com/105686951282704088810/ViennaAutoshow2012?authuser=0&feat=directlink

Euer TeslaTester