Wie sicher ist das Laden eines Elektroautos? Eine ganz persönliche Sicht auf die Dinge.

Wie sicher ist das Laden eines Elektroautos? Eine ganz persönliche Sicht auf die Dinge.

Seit August 2011 und rund 66.000 elektrisch zurückgelegten Kilometern mit dem ersten Serienmodell von Tesla, dem Roadster, möchte ich die eingangs gestellte Frage etwas beleuchten. Schließlich sind wir von Elektrizität umgeben, Strom aus der Steckdose gehört zur Selbstverständlichkeit wie das Wasser aus dem Wasserhahn kommt. Mit dieser Selbstverständlichkeit leben wir jeden Tag, ohne großartig darüber nach zu denken. Wer beschäftigt sich schon in Wahrheit mit Volt, Ampere oder Ohm im Detail, außer man hat beruflich damit zu tun oder der Nachwuchs ist mit Hausaufgaben zu diesem Thema beschäftigt?

Unabhängig von grundsätzlichen Themen woher der Strom wirklich kommt (und wir wissen, die Steckdose ist nicht die Antwort), wie viel wir davon wofür verbrauchen und wie sinnvoll und effizient wir mit dieser Ressource umgehen, tauchen wir beim Elektroauto aber schon etwas tiefer in das Thema  ein. Aber wollen wir das?

Und mit wir meine ich nicht die Innovatoren und Early-Adopter, die sich mit Begeisterung in die Elektromobilität vertiefen, geduldig und nachsichtig Fehler und Einschränkungen der ersten Produktreihen in Kauf nehmen und gebetsmühlenartig die Vorurteile der skeptischen Mitbürger vom Tisch wischen.

WIR - das sind jene Mitbürger und Normalverbraucher, die jeden Tag ihre gewählte gesellschaftliche Rolle wahrnehmen. WIR kümmern sich um jene Dinge des Lebens, mit denen wir vertraut sind und uns auskennen, sei es beruflich, beim Hobby oder am Stammtisch.


(Bildquelle: http://www.sengpielaudio.com/Rechner-ohmschesgesetz.htm)

So wie der Normalverbraucher ein benzin- oder dieselbetriebenes Fahrzeug kauft, wird auch das künftige Massenprodukt "Elektroauto" gekauft.
Nach den Attributen wie äußere Merkmale, Farbe, Design, Sitzplätze, Pferdestärken (obwohl diese unsinnige Klassifizierung längst der Geschichte angehören sollte), Verbrauch, Co2-Ausstoß etc. und natürlich Preis. Niemand käme auf die Idee den Verkäufer zu fragen "... und kann ich damit an jeder Tankstelle Treibstoff tanken?" oder "... wie sicher ist das Betanken ihres Fahrzeugs an einer öffentlichen Tankstelle?". Vielleicht bekommen Sie eine ehrliche Antwort, vermutlich mit ein wenig Sarkasmus im Unterton.

Wir machen uns keine Gedanken welches Produkt, Marke oder Namen die Tankstelle hat und in welchem weit entfernten Land das Öl dafür aus der Erde gepumpt wurde oder warum an Tankstellen das Rauchen und hantieren mit offenem Feuer verboten ist. Benutzen Sie doch bitte die überall beliebten Schutzhandschuhe in Unigröße und Atmen Sie während des Tankvorgangs nicht zu Tief ein.

Tauschen wir den fossilen Treibstoffmix nun gegen den österreichischen Strommix (und der ist allen Unkenrufen zum trotz super-grün). Schon treten diese Fragen in den Vordergrund. Völlig zu Unrecht wie ich aus meiner Erfahrung bestätigen kann. Ein Elektroauto ist an jeder Steckdose oder Ladestation aufladbar. Die aktuell noch hin und wieder vorkommende Notwendigkeit eines Adapters wird sich durch einheitliche Normen in Wohlgefallen auflösen, wie man auch zu einheitlich runden Tanköffnungen und im richtigen Winkel gebogenen Tankstutzen gefunden hat.

Selbst die Frage ob Sie Gleich- oder Wechselstrom laden können wird sich beim Massenprodukt Elektroauto nicht mehr stellen - WOW! Versuchen Sie mal Benzin statt Diesel oder umgekehrt. Gleich- oder Wechselstrom ist vollkommen egal - Strom ist Strom und der Akku nimmt was er vom Ladegerät bekommt. Neben einer Ladestation können Sie tun und lassen was Sie wollen. In tiefen Zügen frische Luft atmen, wenn Sie wollen mit oder ohne Glimmstengel und Feuerzeug. Viel zu große Plastikhandschuhe können Sie ebenfalls vergessen.

"Aber der Strom ist doch sooo gefährlich." Das ist ja wohl genauso nichts Neues, wie das "Nicht rauchen"-Hinweisschild auf der Tankstelle. Rauchen Sie dort - bumm! Schlagen Sie mit einer Spitzhacke auf das Ladekabel ein - brrrzzzl! Ersteres wird wohl in den wenigsten Fällen überlebt, bei letzterem hat man hoffentlich eine Spitzhacke mit Holzstiel verwendet und es gibt lediglich einen sogenannten "Kurzen" und der FI in der Ladestation segnet das Zeitliche. Was nun sicherer erscheint, kann jeder für sich jetzt selbst entscheiden.

Diese Fragen stellt man sich für den meist seltenen Fall, dass im Alltag mit seinen wenigen Kilometern doch mal der Akku sich dem Ende zu neigt und eine gut gesicherte Ladestation aufgesucht werden muss. Und glauben Sie mir, die sind sicherer als so mancher Schaltkasten in privaten Wohnhäusern. Da wären wir auch schon bei der Antwort zur eigentlichen Frage. Anstatt zu fragen, ob das Laden eines Elektroautos sicher ist, sollte man die Frage stellen "Erlaubt die Installation, an der ich mein Elektroauto anschließe, ein sicheres Laden?".

Wie für jedes elektrische Gerät, definiert jeder Hersteller für sein Elektroautos die Anforderungen an die Installation (unter Einhaltung der Normen). Es geht sogar soweit, dass das mitgelieferte Ladeequipment im Normalfall eine Fehlbedienung erst gar nicht zulässt. Der Schwachpunkt ist immer die Installation und hier vor allem die im privaten und halböffentlichen Bereich.

Grundsätzlich sollte der Elektriker ihres Vertrauens einen prüfenden Blick auf ihre Hausinstallation werfen. Wenn der Schaltkasten Ähnlichkeiten mit diesem hier aufweist (s. Bild), sollten sie jedenfalls einen Elektriker rufen oder einen anderen beauftragen, denn ihr Vertrauenselektriker hat es offenbar vergeigt.

Anbieter von Ladeinfrastruktur und EVUs haben diese beratende Dienstleistung bereits in ihr Angebot aufgenommen. Will man sein neues Elektrogerät kostengünstigst mit Strom versorgen, dann reicht im Grunde die einfache Version, wie ich sie auch selbst installiert habe.

Das ist jedenfalls die Grundausstattung an Sicherheit - eine Industriesteckdose mit zulässiger Dauerbelastung, ein ausreichender Kabelquerschnitt, um die maximale Leistung verlustfrei zu übertragen und ein auf die maximale Leistung ausgerichteter Leitungsschutzschalter machen ihre Arbeit zuverlässig. In meinem besonderen Fall der eigenen PV-Anlage am Dach, ist zusätzliche Sicherheit vor Gleichstromfehlerströmen an sich schon durch einen allstromsensitiven FI-Schalter gegeben. Mehr an Komfort als an- und abstecken leistet diese Form der "Ladestation" jedenfalls nicht.

Ladeboxen diverser Hersteller bieten hier natürlich zusätzliche Features, wie eigenen Stromzähler nur für den bezogenen Fahrstrom, Anzeige der aktuellen Ladeleistung, einheitlicher Normstecker, sichere Kommunikation mit dem Fahrzeug und gegebenenfalls Steuerung der Ladeleistung je nach Verfügbarkeit z.B. des Stroms vom eigenen Dach. Da immer mehr E-Autohersteller mit Modellen auf den Markt kommen und diese hauptsächlich mit dem genormten Typ2-Stecker ausgeliefert werden, gewinnen diese Ladeboxen immer mehr an Attraktivität, denn im Baumarkt ist die dazu notwendige Steckdose nicht zu bekommen. In absehbarer Zeit wird auch der Zweitwagen elektrisch sein, dann bin ich mir sicher, wird auch eine ordentliche Ladebox meine Garagenwand zieren.

Auf meinen 66.000 km hab ich viel gesehen. Kraftstromsteckdosen, die mit dünnen 1,25q-Kabeln an unterdimensionierten Leitungsschutzschaltern auf den ersten Kabelbrand warteten, Angebote zu laden mittels Steckdosenleisten wie man sie für PCs verwendet, Steckdosen ohne Erdung oder Nullleiter u.v.m..
Schütten Sie ihren Benzin oder Diesel mittels Kanister und Trichter in den Tank? Nein? Gut, und bei der Gelegenheit - zündeln Sie nicht beim Tankvorgang oder noch besser - wechseln Sie zu Strom, ist sicherer.
Meine Regel lautet "das Elektroauto selbst ist sicher, darum prüfe beim laden stehts die Steckdose und Installation, die dahinter steckt".

Elektrische Grüße

BE ELECTRIFIED!

Euer TeslaTester