Pressetag - Vienna Autoshow 2014

16.-19.1.2014 Pressetag der Vienna Autoshow 2014

Dieses Jahr hab ich mir gedacht, organisierst dir mal für deinen kleinen Teslablog hier eine Pressekarte und nimmst an der Pressekonferenz am Vortag der offiziellen Eröffnung teil.
Hat alles wunderbar geklappt - ist notiert und wird künftig sicher öfter eingesetzt.
Als Neuerung startete ich auch den Versuch das ganze als Video festzuhalten.

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Naja, sagen wir - ein Regisseur, Kameramann oder Filmschaffender wird aus mir nicht mehr werden. Daher noch ein paar Zeilen dazu.

Die Pressekonferenz war gut gefüllt, hätte keine großen Lücken in den Sitzreihen gesehen. Kannte natürlich keinen der Anwesenden, was wohl auch noch einige Zeit so bleiben wird, aber egal.

Teilnehmer der Podiumsrunde waren Herr Limbeck Matthias (Reed Messe), Herr Dr. Peter Laimer (Statistik Austria), Herr Dr. Felix Clary (Sprecher der österreichischen Automobilimporteure) und Herrn KR Burkhard Ernst (Obmann Bundesgremium Fahrzeughandel).
Die Vorträge hier Wort für Wort wieder zu geben wäre eine Abschreibübung, denn das wird alles über die bekannten Print- und Onlinemedien entsprechend nach Vorlage Pressemappe verteilt. Ich möchte hier meinen persönlichen Eindruck vermitteln und der lautet wie folgt.

1) Am Beginn stand die Selbstbeweihräucherung
Trotz rückläufiger Zulassungszahlen war alles erfolgreich. Zwar ist der Markt hier in Österreich mehr oder weniger gesättigt, aber die Tageszulassungen und der Export in dritte Länder dürften offenbar die Bilanz der Branche soweit gut aussehen lassen. Für 2014 wird der große Rebound erwartet ... na dann, solange er elektrisch ist, ist's ja gut.

2) Als nächstes kam das Selbstmitleid
Es ist ja alles eine Frechheit, wie man der zweitgrößten Branche in diesem Land mitspielt. Erhöhung der motorbezogenen Versicherungssteuer, Erhöhung der NoVa und sonstige Vorschriften, die offenbar von der Altvorderen-Branche nicht oder falsch verstanden werden.
Schließlich vergrault man damit ja die Kunden. Die können sich ja keine Autos mehr leisten. Daher sollte die Branche gleich mal eine Demo vor dem Ballhausplatz veranstalten und mit ihren Verbrennerkisten dort auffahren - kein Witz, das war die ernste Aussage der Branchenvertreter.
Diese Maßnahmen haben aber einen wichtigen Sinn und Hintergrund - die Ziele für Österreich in Sachen Energieeffizienz und Elektromobilität bis 2020 zu erreichen und wenn geht unseren Lebensraum ein wenig zu verbessern, für die Zukunft halt ... wär's gedacht. Ja, nach 20 Jahren Dornröschenschlaf ist das natürlich schwierig zu verstehen und aufzuholen, aber da hab ich persönlich kein Mitleid.
An Innovationslosigkeit und Offenheit für neue Lösungen mangelt es ja seit jeher in dieser Branche. Ein Partikelfilter der beim Ausbrennen die Partikel auf eine Größe reduziert, die unter dem gesetzlichen Schwellwert liegt und diese somit unerwarteterweise plötzlich lungengängig macht oder eine Urin ... oh sorry ... Harnstoffeinspritzung zur Abgasreinigung ist nicht innovativ, sondern nur ein weiterer Baustein für ein bereits viel zu komplexes Trum.
450.000 Arbeitnehmer, zweithöchster Anteil an der österreichischen Wirtschaftsleistung, Applaus ! meine Herren. Wenn das den Bach runtergeht, habt ihr es über die letzten 20 Jahre verbockt. In diesen 20 Jahren hätte man die Branche langsam und Schritt für Schritt in eine nachhaltige Zukunft führen können ... jetzt wird's hektisch und eng. Ist aber auch zugegebenermaßen auch die Mitschuld der großen Hersteller.

Ja, Steuern werden auf Verbrenner erhöht - dann müßt ihr euren Kunden eben Elektroautos verkaufen, denn auf die gibt es Steuerbefreiung. Das war natürlich nicht das Thema auf diesem Podium. Die Alternative ist da, man muss sie natürlich erkennen und auch aufgreifen. Jammern auf hohem Niveau hier.

Übrigens ist die wichtigste Branche in Österreich der Tourismus. Jetzt frage ich mich was passiert, wenn die wichtigste Branche davon abhängt wie wir mit der Umwelt umgehen und die zweitwichtigste Branche mehr oder minder drauf schei.... und die Umwelt weiter zerstört.
Wer gewinnt das Spiel? Richtig - keiner. Die Verbrennerkisten mit den (vermeintlichen) Supermargen für die Autohändler verdrecken die Umwelt, der Tourismus geht in die Knie, denn es gibt ja nichts Schönes mehr zu sehen hier und der Schnee bleibt dann sowieso aus. Eine schöne lost-lost-lost-Situation - der Tourismus dankt als wichtigste Einnahmequelle ab, die Automobilbranche übernimmt für kurze Zeit und bricht dann vollends unter mangelnden oder nicht mehr leistbaren Treibstoffen, Luftverschmutzung und verstopften Straßen zusammen und der Verbraucher sitzt auf wertlosen Metallkisten, zahlt (gerechtfertigte) horrende Steuern dafür und kann sich den Urlaub im eigenen Land nicht mehr leisten bzw. ist ja eh nichts mehr sehenswertes dabei. Jaja, ein übertriebenes Bild? Warten wir's ab und mögen Sie Recht behalten.

3) Als Gipfel kam dann Selbstherrlichkeit dazu
WIR, die Automobilbranche in Österreich setzen uns vehement dafür ein, dass diese Steuern nicht kommen und wenn dann in abgeschwächter Form. Und wenn es sein muss - oben erwähnte Fahrt zum Ballhausplatz. Na bitte, vielleicht ist bis dahin die Innenstadt für Verbrenner gesperrt, dann müssten sie mit E-Autos zur Demo anreisen - das fänd ich witzig!
Sie müssen ihre Kundschaft ja schützen vor den bösen Steuern - wie schon erwähnt, verkaufts einfach E-Autos und es ist doppelter Schutz, einmal vor der Umweltverpestung und dann auch vor den Steuern. Was hier geschützt werden soll, sind eher die kurzfristigen und lukrativen Margen (die übrigens zu Lasten der schützenswerten Kundschaft gehen).

Ich kam mir vor wie im falschen Film und ich hatte Angst ... denn es kam die Möglichkeit Fragen zu stellen, was soll ich sagen ... hätte ich es überlebt, ketzerische Fragen zu stellen? Die Erfahrung hätt ich im Nachhinein betrachtet vielleicht besser machen sollen, denn es war niemand da, der das tat.

Zusammenfassend - es bleibt an uns Bürgern hängen - mit
- Selbstbeweihräucherung
- Selbstmitleid
- Selbstherrlichkeit
- Innovationslosigkeit
- Mutlosigkeit zur Veränderung
- Selbstverweigerung vor dem Notwendigen
wurschtelt unsere zweitwichtigste Branche in Österreich weiter als wäre nichts gewesen.

Die Runde durch die Hallen war dann relativ schnell erledigt. Keine Veränderung zu letztem Jahr - verbrennen, verbrennen, verbrennen, als gäbe es kein Morgen. Die Kinder werden's uns danken.

Am VW-Stand der aus letztem Jahr bekannte e-Up zu einem Preis der 15.000 Euro über der Verbrennerversion liegt! Ist ja schon Aussage genug "Wir wollen's gar nicht verkaufen". Elektromotor, Steuerung und der winzige Akku mit 18 kWh soll tatsächlich 15.000 Euro ausmachen? Schlechte Einkäufer bei VW. Ach! Das sollen die auf den Verbraucher umgelegten Entwicklungskosten sein? Sie meinen, jene der letzten 20 Jahre seit den 90ern? Die damals und heute in Massen geflossenen Fördergelder für Forschung und Entwicklung aus Steuerzahlers Tasche ... und jetzt holt man sich das nochmal vom Steuerzahler. Nein, nicht die Steuerpolitik oder die Politiker sind hier die Abzocker, die Wahrheit liegt da wohl wo anders.

Renault - davor Lüfte ich noch immer meinen Hut - ein Hersteller, der sich früh getraut hat, die richtigen Schritte zu setzen und leistbare Fahrzeuge auf dem Markt hat. Was Neues ist leider nicht dazu gekommen.

BMW holt sehr schnell auf. Der i3 ist zwar bereits auf den Straßen unterwegs und der i8 am Stand macht sich auch ganz gut - wird aber von einer Palette an Verbrenner-Fahrzeugen quasi erdrückt. Aber, sie machen gute Umsätze - Produktionskapazitäten beim i3 werden ausgebaut und das Geschäft läuft unerwartet besser als gut. Na dann, viel Erfolg mit den nächsten Generationen E-Fahrzeuge.

Ford e-Focus (mit 40.000 Euro) war noch zu sehen, auch nicht neu und viel zu teuer. Nissan Leaf Version 2 (mit 30.000 Euro) und der neue e-Transporter - wann kommt was nach? Ja, und über den Rest gehe ich jetzt mal salopp so drüber - Hybride bis zum abwinken, Augenauswischerei und eine Kostenfalle für den Verbraucher mit zwei Antriebssträngen, Komplexität und höherem Fahrzeuggewicht ...

EINZIGES HIGHLIGHT - na wie soll es bei mir sein: TESLA
Unscheinbar in einer Ecke, sitzt die elektrifizierte Raubkatze und alle haben sie Angst ihr den Rücken zu zu kehren. Mit Recht - mit dem Model S fährt eine Top-Limousine bereits auf Österreichs Straßen und versetzt die Altvorderen in Angst und Schrecken. Denn TESLA verliert sich nicht in Selbstmitleid und Innovationslosigkeit. Das ist der Hersteller der Zukunft. Mit zwei Model S am Stand und den zugehörigen Superchargern für die Infrastruktur bietet Tesla bereits alles was man braucht im täglichen mobilen Leben. Ein ordentlicher Akku reicht für mehr als 400 km, der sich täglich und nächtens während er herum steht laden lässt. Für die Urlaubsfahrt bleibt man für ein Mittagessen und einen Kaffee am Supercharger stehen, Gratisstrom versteht sich. Alles richtig gemacht.

Ob ich nächstes Jahr nun endlich eine Veränderung sehe und höre? Ich bleibe Optimist.

BE ELECTRIFIED !

Euer TeslaTester
(61.000 km Co2-frei unterwegs)