OMV ein NPO? Klimakollaps oder Energiewende - WU-Wien

 
Foto: OMV
Quelle: www.ots.at

3.6.2013 - Open-Minds Veranstaltung der WU-Wien zum Thema "Klimakollaps oder Energiewende" - Wahrnehmung eines aufmerksamen Zuhörers. OMV - Herr Roiss positioniert sich als NPO?     

Am 3.6.2013 fand im Festsaal der WU-Wien die "Open Minds"-Veranstaltung zum Thema "Klimakollaps oder Energiewende" statt. Es diskutierten Herr Dr. Roiss (OMV), Frau Univ.Prof. Stagl (WU), Herr Univ.Prov. Schleicher (Uni Graz) und Herr DI Westerhof (Greenpeace).

Neben der in der EU fehlenden gemeinsamen Energiepolitik, dem verfehlten KYOTO-Ziel Österreichs (eins von zwei Ländern !! wie peinlich), dem amerikanischen Raubbau an der Natur durch Gasfracking, dem gescheiterten CO2-Zertifikate-Handel (ETS), dem Unvermögen der europäischen und nationalen Politik der Energie- und Umweltpolitik einen vernünftigen Rahmen zu geben und dem überholten Wirtschaftsmodell der industriellen Revolution des vergangenen Jahrhunderts war das eigentliche Higlight aus meiner Sicht das uneigennützige und selbstlose Engagement der OMV, wie es Herr Dr. Roiss präsentierte.


In weltweit ca. 80 Projekten arbeitet die OMV an Sustainability, z.B. Ausbildung von Fachkräften in Tunesien, um die notwendigen Skills für die Industrie (die eigene natürlich) zu bekommen. Dabei wird auch entsprechend auf
einen Frauenanteil geachtet. Sehr lobenswert. Weitere Beispiele hab ich nicht wahrgenommen - Tunesien scheint momentan das interessanteste Gebiet zum "Aussaugen" zu sein.

Am besten gefiel mir aber das selbstlos und aufopfernd formuliert/beschriebene Engagement der OMV für Nachhaltigkeit und eine Decarbonisierung - Zitat: "wir sehen das als unsere Verantwortung und Beitrag" - bei der Frage nach der Zukunftstechnologie Wasserstoff. Hohe Investitionen hat die OMV in diese Forschung gesteckt und dabei eine einzige Wasserstoff-Tankstelle bei der OMV-Zentrale und die Anschaffung eines Brennstoffzellen-
Fahrzeugs von Daimler geschafft. BRAVO ! APPLAUS ! Er versuchte das mit Witz und Charme ebenfalls zu belächeln, aber der Hohn dieser Beschreibung war bereits spürbar im Raum.
Bereits vor 20 Jahren war das DIE von der Industrie propagierte Zukunftslösung und jetzt - Zitat: "brauchen wir noch viele Jahre der Forschung". Und das macht die OMV ganz uneigennützig und ohne Gewinn auf die "vielen" Jahre. Dass hier viele Millionen an geförderten Forschungsgeldern vereinnamt wurden, wird nicht erwähnt und diesen Fördertopf für sich so zu sichern auch nicht. Forschung an Lösungen für die Schublade, wo sie niemand für viele Jahre finden soll.
Denn wo liegt denn das mögliche Produktportfolio für die OMV dabei? Wasserstoff, einem Konkurrenzprodukt, dass den eigenen OMV-Kernmarkt - Ölgeschäft - angreift? Als Hersteller von Wasserstoff wohl kaum, oder hat die OMV neuerdings Wind- oder Solarkraftwerke im Betrieb? Speicherung in ihren Öltanks? Denke nicht.
Beimischung ins Gasnetz in Form von Methanisierung (Kohlendioxid + Wasserstoff = Methan) oder Vertrieb über das eigene Tankstellennetz schon eher?

Also welches Ziel (nach vielen Jahren der Forschung und Fördergeldabkassiererei) sehen wir hier - Erhalt der alten Strukturen in Verbindung mit einem wichtigen Kernprodukt "GAS". Das Wort "GAS" ist so oft gefallen, dass man glauben könnte die propagierten - Zitat: "200 Jahre", die uns das ebenfalls fossile Zeug nach eigener Aussage, zur Verfügung steht, werden nie vergehen.
Kein Wort darüber, dass Methan um ein vielfaches schädlicher ist als CO2, kein Wort darüber, dass Wasserstoff-Tanks auf Tankstellen ein vielfach höheres Gefahrenpotential haben gegenüber den fossilen Brennstoffen, die dort lagern. Kein Wort darüber, dass Methanisierung und Beimischung ins Gasnetz zu keiner CO2-Reduktion in der Atmosphäre führt. Es wird nur ein geringerer Anteil vom Gas emittiert, aber das für die Methanisierung aus der Luft gebundene kommt wieder zu 100% in die Luft. Super Kreislauf, aber sinnlos.
Aber egal es dauert ja "noch viele Jahre der Forschung" und wir haben ja "GAS".

Der Feststellung, dass Verbrennung das Dümmste ist was wir mit fossilen Produkten machen können, weicht Herr Roiss geschickt aus. Obwohl dort künftig das letzte verbleibende Produktportfolio der OVM liegen wird - sprich Verarbeitung zu höherwertigen Produkten wie Kunststoffe, die dann in einem Produktkreislauf inkl. Recycling und Wiederverwendung gehalten werden können. Dort sollte noch viel mehr Forschung betrieben werden, nämlich den Stoff "Öl" noch effizienter und sinnvoller zu verwenden.
Die Engstirnigkeit mit der versucht, wird die alten Geschäftsfelder zu erhalten, würde mir als Aktionär Sorgen machen. Kurzfristig sind vielleicht noch ein paar gute Gewinne nebst schlechtem Gewissen abzuschöpfen und dann? Besser jetzt raus aus dem Depot bevor es zu spät ist. Nicht alle Shareholder sind auf kurzfristige Gewinne aus - stelle ich mal so in den Raum.

Weil man den Aktionären natürlich verpflichtet ist, versucht man zusätzlich auch noch in die Ausbildung steuernd einzugreifen, indem man der WU rund - Zitat: "800.000 Euro" an Forschungsgeldern bzw. Unterstützung zusichert. Dreimal darf man raten, welche Studien damit gefördert und begünstigt werden und welche Wirtschafts- und Industriezweige damit weiter "mittels Defi" erhalten werden sollen. Denke meine Zweifel sind berechtigt, wenn ich meine, das wird wenig mit der sogenannten "Decarbonisierung" zu tun haben. Das wäre ja der Verpflichtung der Aktionäre sicher nicht zuträglich.

"Lasst das Öl im Boden, lasst die Kohle im Berg, Die
menschliche Spezies ist intelligent genug, um sich Lösungen
einfallen zu lassen, die nachhaltig sind."
(Nnimmo Bassey)

"Die Steinzeit ist nicht zu Ende gegangen mangels Steinen,
sondern weil uns was Besseres eingefallen ist."
(Fr. Univ.Prov. Stagl - WU)


Es gab ein paar gute Fragen aus dem Auditorium. Eines möchte ich herausgreifen, denn es war auch mein Gefühl. In der Diskussion fehlte die Antwort auf die Frage, wie man dem Bürger die Energiewende schmackhaft machen kann.
Denn die altruistische (selbstlose) Triebkraft, dass unsere Enkerl noch was von dieser Welt haben, ist nicht sonderlich weit verbreitet, wenn man sich ehrlich ist. Im Grunde geht es nur darum "was kostet's und was bringt's MIR" und das hat man den Leuten bisher nicht richtig verkauft.
Eine Investition in PV, Windkraft und ein Elektroauto lohnt sich bereits jetzt in einem überschaubaren Zeitraum, zugegeben nicht heute, nicht morgen sondern eben in ein paar wenigen Jahren. Rein wirtschaftlich betrachtet. Ökologisch - also für uns alle auf diesem Planeten - rechnet es sich quasi sofort.
Die Umstellung auf effizientere Geräte und Technologie ebenso wie eine genügsamere Lebensweise wirken sofort in beider Hinsicht.
Pragmatisch an die Sache herangehen, nachdenken und bei sich selbst anfangen, das ist meine Devise.

Auf die hohen Herren und Damen Vorstandsvorsitzenden, Politik und Industrie warten hat keinen Sinn, wir müssen das selbst in die Hand nehmen, dann werden sie sich schon bewegen müssen. WIR sind der Markt, WIR bestimmen was gekauft wird - allen Unkenrufen zum Trotz.

PACKEN WIR's AN ! Yippieyayayippieyippieyei
Manfred