Vienna Autoshow 2013 - Die e-mobile Zukunft im Anmarsch?

Vienna Autoshow 2013 - Was hat sich in einem Jahr verändert?                                                                                       

Mit einer sehr geringen Erwartungshaltung nach der Erfahrung 2012 bin ich auf die Vienna Autoshow 2013 gefahren. Wie üblich hat VW den größten und prominentesten Standplatz direkt beim dem Eingang. Wir finden die e-mobile Anstrengung von VW in Form des E-UP! recht prominent in der Mitte platziert.

Erstes Photo gemacht und schon werden wir angesprochen. Offenbar plant VW bereits mit Herbst 2013 einen ersten großen Wurf in Sachen E-Mobilität. Der E-Up! startet im November 2013 und wird in etwa 20 - 25 tsd Euro kosten (inkl. Akku und 8 Jahre Garantie darauf!!).
Die Kapazität des LiIon-Akkus wird mit 19 kWh und die Reichweite mit ca. 150 km angegeben. Ausreichend für 90 % der täglichen Fahrten. Geladen wird entweder DC mit bis zu 40 kWh oder AC an der zur Verfügung gestellten Wallbox mit max. 16A/3,2 kWh, was ja über Nacht allemal ausreicht.
Dazu hat sich VW auch Gedanken um das Drumherum gemacht. Angeboten wird neben der Heimladestation auch ein Gratis-Mietfahrzeug für die jährliche Urlaubsfahrt. Auch heute hab ich wieder das ewige Argument aus dem Publikum gehört "Na, auf Ualaub kaunst damit net foan!". Das muß man ernst nehmen - wir haben offenbar kein anderes Problem.
Weiters gibts ein Smart-Phone-App für die Überwachung des Ladezustandes und weitere Spielereien. Hab uns gleich mal für eine Probefahrt eingetragen. Ein Probesitzen hat überzeugt, genügend Platz für 2 Erwachsene und zwei Kinder und auch der Kofferraum ist für die kompakte Größe des Fahrzeugs ok. Der Akku ist übrigens platzsparend im Boden des Fahrzeugs verbaut.


 

Am Stand von Volvo frage ich was aus dem C30 wurde.

Leider nur ein E-Konzept gewesen als Vorbereitung für die Volvo-Hybrid-Varianten. Der V60 z.B. mit 50 km rein elektrischer Reichweite und einem Verbrauch von 1,8 l/100 km im Kombinationsbetrieb. Werksangabe natürlich - in der freien Natur liegt der Wert sicher darüber. Hybrid ist und bleibt eine Angsthasentechnologie für Otto-Normalverbraucher und ist eher eine Alternative für jene, die wirklich öfter mehrere 100km am Tag fahren müssen.
Diese Anforderung haben aber sicher nur wenige Österreicher - eigenes Mobilitätsverhalten zu hinterfragen ist angesagt, dann braucht man auch keinen Hybrid und nimmt gleich die echte grüne, co2-freie e-Variante.

Dann stolpern wir über den Ford Focus Electric - aber hallo! Ein nettes Gefährt, mit 23 kWh Akku und ca. 160 km optimal. Leider hat die ausgestellte Konzeptversion noch den Akku hinter dem Rücksitz, somit reicht der Kofferraum grad mal für ein 6er-Tragerl Lieblingsbier. Da bessern sie hoffentlich bis zum Rollout im Herbst 2013 (nach Aussage Ford-Mitarbeiter) noch nach.

Fisker auf der Vienna Autoshow ! Da war ich überrascht. Auch wenn der Karma keine echte Elektrokiste ist, finde ich es höchst positiv, dass sich offenbar endlich was tut und sich die spezialisierten E-Hersteller durchsetzen.
Tesla hab ich leider vermisst. Hoffe das ändert sich mit dem Model S und Model X 2014 !!! Kann ja nicht sein, dass der einzige Tesla auf der Autoshow jedes Jahr nur im Parkhaus D herum steht.

Renault präsentiert 2013 endlich den Zoe auch mit der Möglichkeit Probe zu sitzen und mit ein paar technischen Details. Aber wie auch letztes Jahr schön prominent ausgestellt. Preis beginnt bei 21 tsd. Euro, der ca. 20 kWh-Akku muss wie bei allen ZE-Varianten gemietet werden. Hm, mit diesem Konzept hadere ich noch ein wenig - hat aber durchaus seine Kostenvorteile bei höheren Jahreskilometerleistungen.
Ganz besonders positiv - das Ding lässt sich mit Drehstrom bis zu 63A/400V laden!! Ja wer hat so eine Dose schon zuhaus. Aber auch mit 32A-Drehstrom ist die Kiste im Notfall im nu voll.
Das Kofferraumvolumen völlig in Ordnung. Auch hier der Akku im Boden verbaut. Das bemerkt man beim Einsteigen, denn anders als bei den Verbrennern ist der Fußraum im Fond nicht abgesenkt. Ist etwas ungewohnt beim Einsteigen, aber Fußraum und auch sonst sehr geräumig und für 4 Personen gut geeignet.
Die Auslieferung beginnt im Juni 2013 und laut Renault-Mitarbeiter bereits 3stellige Vorbestellungen. Na bitte, da wird 2013 die Zulassungsstatistik an E-Autos etwas besser ausfallen als 2012.

Die üblichen Verdächtigen wie Mitsubishi iMiev, Citroen C-Zero und Nissan Leaf auch wieder vor Ort. Aber ich suche das Neue und was finde ich da bei BMW? Richtiisch - NIX ! Also fragen wir den netten Herren zwischen den CO2-Stinkern wo sie denn den i3 versteckt halten? Und erfahren, dass der i3 im November ausgerollt wird. Nähere technische Details darf man sich über die Webseite besorgen und man muss bei Interesse schnell sein, denn die ersten Kontingente sind angeblich bereits vorreserviert.
Den i3 wird es wahlweise mit Benzin-Range-Extender oder in rein elektrischer Variante geben. Die E-Variante wird dabei etwas günstiger sein und lt. inoffizieller Angabe spürbar unter 40 tsd. Euro liegen. Wobei noch überlegt wird, den i3 ev. nur in einer Leasingvariante anzubieten. Dazu gibt es dann eine Wallbox für die heimische Garage und ein Smart-Phone-App für Akku-Ladestand und Programmierung der "Zusatzheizung", solange der i3 an der Dose hängt.
BMW fährt auch ein neues Händler-Programm. So sollen alle BMW-Händler mit Lademöglichkeiten und auch aussen zugänglicher Ladestation für BMW-Kunden ausgestattet werden. Den Strom daraus sollen sie verpflichtet grün erzeugen. Dazu sollen auf den Dächern PV-Anlagen verpflichtet installiert werden. Klingt vernünftig, bleibt zu hoffen, dass das auch tatsächlich gemacht wird.

Fazit:
Enttäuscht bin ich immer noch von dem Überangebot an überdimensionierten Spritsäufern. Familien mit ein oder zwei Kindern stehen um 3-Tonnen-SUVs herum und diskutieren, ob sich das mit den zwei Kindern überhaupt ausgeht. Komisch, ich sehe diese SUVs immer nur "leer" - also nur mit Fahrer - herumkurven. Wozu diese SUV-Kisten? Die zwei Kleinen lassen sich auch mit jedem Klein- oder Kompaktwagen in den Kindergarten um die Ecke fahren.

Meine auf 0 heruntergeschraubte Erwartungshaltung wurde dennoch weit übertroffen. Die E-Fahrzeuge sind mehr als letztes Jahr in den Fokus gestellt worden. 2012 waren die meisten entweder in den hinteren Ecken der Stände zu finden. Heuer schon zentraler und gut ausgeleuchtet. Überrascht war ich von VW, die offenbar die Schlagzahl erhöht haben und dem Fisker-Stand. Stimmt mich positiv.
Auch den Zoe und den Ford Focus endlich Probe zu sitzen war interessant. Wenn die allgemeine Aussage "Rollout im November 2013" für VW, BMW und Ford tatsächlich hält, wird das Angebot an E-Fahrzeugen nun endlich für die breite Masse interessant. Ganz besonders positiv anmerken möchte ich, dass heuer endlich Kompetente Auskunft über die E-Fahrzeuge gegeben wurde. Sowohl die Hostessen als auch die Sakkoträger waren gut E-gebrieft und vermittelten auch die Überzeugung für das was sie hier präsentieren. Letztes Jahr waren da noch "Geh, des wiad e nix, nehmans lieber an Diesel!" oder "Woatns noch a paar Jahre, is nua a Studie" die Antworten. Also, soweit mein Eindruck - Top, aber es gibt noch viel zu tun. Für 2014 setze ich da meine Erwartungshaltung nun etwas höher an. Mal sehen.

BE ELECTRIFIED !

(bisher 35.000 km Co2-frei unterwegs)
Euer TeslaTester