Tesla Roadster bei PKW-Intensivtraining

 

PKW-Intensivtraining im Fahrtechnikzentrum Pachfurth – ein Fahrerlebnis der besonderen Art                                                                                              

 

Seit rund 20 Jahren bin ich mehr oder weniger erfolgreich auf Österreichs Straßen unterwegs. Wer kann in seiner Autofahrerlaufbahn nicht auf ein paar einschneidende Erlebnisse zurückblicken?

Vor allem in jüngeren Jahren, wo Vernunft und Rücksicht sich erst im aufkeimenden Entwicklungsstadium befanden – eine Schleudererfahrung hier, eine Wildwechselerfahrung dort, brenzlige Vollbremssituationen, etc.. Hoffentlich wie bei mir in allen Fällen lediglich mit kleineren Sachschäden und der wachsenden Erkenntnis, dass der Straßenverkehr einer der gefährlichsten Situationen ist in die sich wir Menschen mehr oder minder freiwillig begeben.

Die in Eigenregie abgehaltenen Schleudertrainings auf unbenützten Straßen oder Rübenernteplätzen (besonders beliebt im Osten Österreichs), können nur einen Bruchteil von dem vermitteln, was in einem professionell abgehaltenen Kurs vermittelt wird. Wer glaubt durch ein wenig Kurvenfahren und quietschende Reifen sein Fahrzeug zu kennen und zu beherrschen, dem sei so ein Kurs ans Herz gelegt – es kommt anders als man denkt. Zusätzlich sind diese Kurse von Drivingcamp Pachfurth, ÖAMTC oder anderen Anbietern legal, im Gegensatz zur Nutzung des Rübenernteplatzes, und finden in kontrollierter Umgebung statt.

Wer sich ein Auto kauft oder least, investiert mehrere zehntausend Euro in ein Fahrzeug. Wer dieses Fahrzeug leichtfertig beschädigt, weil man glaubt es zu beherrschen, investiert weitere viele tausend Euro. Für diese Wertsache zwischen 150 und 200 Euro zu investieren, um den Glauben in Wissen zu verwandeln, ist daher gegenüber mehreren tausend Euro hinausgeworfenes Geld eine gute Anlage.

Bessere Kompetenz am Steuer, Grenzen von Lenker und Fahrzeug kennenlernen, Gefahren im Straßenverkehr erkennen und richtig reagieren – die Fahrschule ist lange her und in vielen Jahren der Praxis wird zu 99% nur der Normalzustand perfektioniert. Was ist mit den höchst seltenen Ausnahmesituationen?

Was ist eine Vollbremsung? Kein zögerlicher immer fester werdender Tritt auf die Bremse, nein, voll drauf, dass das ABS ordentlich rattert und keinesfalls nachlassen, bis die Kiste steht! Kupplung und Bremse dabei gleichzeitig durchtreten – weder das eine noch das andere zuerst – gleichzeitig. Wussten Sie schon? Na dann …

Die ersten Übungen mit dem Roadster waren ja noch relativ einfach.
Vollbremsung:

 

Wie arbeitet das ABS? Bricht der Wagen aus? Auf unterschiedlichem Untergrund zieht er auf die nasse oder trockene Seite? Nach wie viel Meter steht das Ding auf trockener und vergleichsweiser Schneefahrbahn. Oh Mann, da tun sich die ersten Erkenntnisse auf.
Ein Teilnehmer mit Sommerreifen hatte auf der simulierten Schneefahrbahn einen Bremsweg, für den die Teststrecke nicht ausreichte. Da läufts einem kalt über den Rücken. Ein zweiter Teilnehmer zeigte genau das gleiche Verhalten, aber mit Winterreifen! Tja, nach vier Jahren wird ein Winterreifen durch chemische Prozesse derart hart, dass er sich auf Schneefahrbahn wie ein Sommerreifen verhält. Tip des Kursleiters: immer auf Produktionswoche/-jahr am Reifen achten – nur weil billig und aus dem Internet, bedeutet das nicht gleichermaßen gut. Auch ein geschenkter Winterreifensatz eines Autohändlers, kann dort schon seit mehreren Jahren in der Lagerhalle schlummern.

Bremsen mit ausweichen:
Mit eingeschalteten elektronischen Hilfen wie ESP/TC/DTC (und wie die Abkürzungen alle lauten) in den meisten Fällen kein Problem. Diese Hilfen mal in kontrollierter Umgebung abzuschalten bringt dann doch einen netten Aha-Effekt. Aber man lernt relativ schnell die fehlende Hilfe wieder auszugleichen und bei Andeutung des Hecks nach vorne zu kommen, das kontrolliert abzulehnen. Detail am Rande – das Heck des Tesla Roadster macht solche Andeutungen relativ gerne und unerwartet schnell. Aber wenn man’s weiß ….
Auf nasser Strecke noch einfach zu handhaben, umso mehr konnte ich das Testgelände im Rundumblick bei den Schneefahrbahntests genießen.
Empfehlung des Kursleiters: Wenn das Heck einmal ausgebrochen ist, Gegenlenken nichts mehr hilft bzw. man die Kontrolle verloren hat und man die Scheibenwischer an der Seitenscheibe benötigt … BREMSEN, am besten voll drauf und … bis man steht. Warum – klingt für mich einleuchtend? ABS arbeitet nur wenn sich der Wagen geradeaus bewegt. Sobald die kontrollierte Fahrspur weg ist, blockieren die Räder und durch die Vollbremsung geht’s kontrolliert in eine Richtung. Würden sich die Räder weiterdrehen, ist die Richtungsentscheidung des Wagens von mehreren physikalischen Einflussfaktoren bestimmt und möglicherweise die, die wir am wenigsten wollen.
Ganz besonders SUVs (je größer und höher, desto besser) sind da auch gefährdet. Je höher der Schwerpunkt, desto instabiler. Eine Frage nebenbei, die mir bisher keiner zufriedenstellend beantworten konnte – was zum Geier transportieren wir alle, dass wir solche riesen Dinger brauchen?

Verschärfte Version Dynamikplatte:
Walzertanzen ist mir lieber, obwohl ich dabei auch einen Drehwurm bekomme. Niemals wünsche ich irgendjemand im Straßenverkehr so eine Situation, dass derart unerwartet und schnell der Kofferraum nach vorne kommt. Ich hätt euch das gerne mittels Video aufgezeichnet. Von knapp 10 Versuchen, hab ich es nur dreimal geschafft, die Kiste einzufangen und das nur mit elektronischer Hilfe. Ohne war da nichts zu machen – schöner Rundumblick über das Testgelände. Bis auf einen Teilnehmer mit einem BMW-Z4 mit ähnlichen Problemen, gab es nur einen Teilnehmer der noch schwieriger mit der Situation zurechtkam. Es war übrigens jemand mit über 30 Jahren Erfahrung im Straßenverkehr und einem kleinen Citroen – also nicht gerade eine Kombination von Lenker und Fahrzeug, bei der man das vermuten könnte.

Video 1                                Video 2

Überraschungsmoment Kurve:

Wie schätzt man die Geschwindigkeit für eine plötzlich auftauchende Kurve ein, z.B. nach einer Kuppe? Am besten so gering wie möglich. Eine Kurve, die bei schlechten Verhältnissen nur 28 km/h verträgt, wirft einen bei 29 km/h ab. Ja, das tut sie, auch diese Erfahrung ist nun mein! Natürlich ist das wiederum vom verwendeten Fahrzeug abhängig. Wenn eine Kurve mit einem Sportwagen nur 28 km/h verträgt, dann wird’s mit einem 3er-BMW wohl nicht mit 28 km/h funktionieren.
Stellen Sie es mit Ihrem eigenen Wagen am besten selber in kontrollierter Umgebung fest. Da macht es Spaß und niemand wird gefährdet.

Video 3                                Video4

Ich dachte die letzten 20 Jahre „des brauch i net“. Jetzt werde ich das sicherlich in regelmäßigen Abständen wiederholen.

Tip von mir am Schluss – gleich nach so einem Training, ab in die Waschstraße! An sonnigen Tagen werdet Ihr sonst die Kalkflecken verfluchen ;-)

Euer TeslaTester