Wavetrophy 2014 - Harter Reichweitentest nach Ofterschwang

2.6.2014 - Wie weit fährt ein 3 Jahre alter Roadster noch? Harter Reichweitentest nach Ofterschwang

Als hätte ich es geahnt. Technische Universitäten sind nicht dazu geeignet passende Ladeinfrastruktur für eine derart große Menge an Elektrofahrzeugen bereit zu stellen. Die Erfahrung hatten wir schon mehrmals bei der Wavetrophy 2012 und 2013 gemacht. Auch hier wieder, alles toll vorbereitet, aber leider ohne Support und ohne Überwachung. Schon auf dem Weg ins IBIS-Hotel mussten die Ersten wieder kehrt machen, da der Strom ausgefallen war. Wir mussten zwar nicht laden, wegen der Reiweiten-Challenge, es war dennoch ärgerlich. Ach ja, IBIS-Hotel, für eine Nacht ok. Aber wehe ihr kommt als zahlender Gast auch nur 1 Minute zu spät! Das geht gar nicht! Fixe Sperrzeiten sind einfach einzuhalten. Ob man dann auf einer U-Bahn-Bank schläft ist dann egal. Wichtig ist nur pünktlich sein. Frage mich, ob das mit Budget gemeint ist? Wer zu spät kommt, schläft gratis auf der Parkbank.

Egal, eigentlich gehört diese Erfahrung noch zum Vortag. Per U-Bahn ging es zurück zum TUM-Gelände wo die Fahrzeuge von den Studenten hinsichtlich Ladetechnik bewertet wurden. Danach gab es eine kleine Führung durch die heiligen Hallen der Batterieforschung. Nette Einblicke, aber nichts Konkretes, also keine Fragen bitte - Lithium-Luft kommt, aber keiner weiß wann und wie. Bei der Abfahrt nach Schwangau (ca. 130 km) testete Team Bolt dann noch seine Stoßdämpfer indem er mit dem umgebauten Mazda 5 über zwei hohe Stufen seitlich des Parkplatzes fuhr, hat alles gehalten aber wild ausgesehen. Über die Idee des Architekten neben den Parkplätzen 30 cm hohe Stufen zu bauen lassen wir uns an dieser Stelle nicht aus. Die Strecke nach Schwangau war dann schon etwas fad im Sparmodus bei ca. 70 km/h. Vor allem die Zurückhaltung war schwierig wenn die großen SUVs meinten, sie müssten einem von hinten auf das Navi-Display schauen. Mit knapp 140 rated und 100 ideal Range kamen wir in Schwangau an. Letzte Möglichkeit zu laden vor der letzten Etappe nach Ofterschwang. Noch eine letzte Diskussion, ob wir es mit dem Paß aufnehmen oder sicherheitshalber doch drum herum fahren. Es ging zu Gunsten "drum herum" aus.

An dieser Stelle muß ich mal die Frage stellen, wozu müssen Tesla Model S permanent geladen werden? Gerade mit einem Model S braucht man nicht an jeder Steckdose zapfen, wenn man schon so einen riesen Akku mit riesen Reichweite mit sich schleppt! Auf der anderen Seite bin ich auch froh darüber, da ich als Roadster-Fahrer bisher immer das Image des "rasenden Ladeinfrastrukturproblems" unter den E-Fahrern hatte - kaum angestöpselt war L1 futsch. Obwohl ich sicher ein Ausnahme-Teslanaut war und meist brav Ampere freigegeben habe, wenn andere sie brauchten. Heuer wurde mir das Image abgenommen - danke an die Model-S-Fahrer!  ;-)

In der Reichweiten-Challenge waren noch 3 Teams: Bolt mit dem 700km-Mazda, die Lightning Rods mit dem Model S und wir. Die Herausforderung galt also unserem Roadi, denn die anderen beiden sollten wohl ohne Probleme ankommen. Interessanterweise waren wir dennoch die ersten in Ofterschwang mit 0 km Restreichweite. An dem Sammelparkplatz sind wir glatt vorbei "gerauscht" und gleich mal zum Hotel. Nach ein paar Runden um das Hotel (immer noch mit 0 km Restreichweite) sind wir dann doch zurück zum Sammelparkplatz, nur um dann doch wieder zum Hotel gelotst zu werden. Mit 0 km Restreichweite bekommst da schön langsam Nervenflattern. Team Bolt war zwischenzeitig angekommen, Lightning Rods noch nicht zu sehen. Der Ladeplatz war noch unberührt, kein Serviceteam zu sehen, also rasch einen 63A-Adapter von Familie Kuhn ausgeborgt und Roadie an den Tropf gehängt. Zumindest solange, bis die anderen eintreffen. Ergebnis der Challenge: alle drei ohne Zwischenladen. Wir hatten 420,04 km mit durchschnittlichen 53 km/h bei ca. 116 Wh/km oder 11,6 kWh/100 km zurückgelegt. Und ... gestartet waren wir mit 94 % und hatten noch 7 % Rest-Akku. Da wären also noch ein paar Kilometer möglich gewesen.

Am Abend rätselte ich kurz über ein neues Gesicht in der Runde, aber nicht lange. Chris Payne war unter uns! Der Macher von "Who killed the electric car" und "The revenge of the electric car". Wie geil ist das denn! Muß Schluß machen hier und mich um ein Foto kümmern! Ciao! 

Bilder des Tages: